Röntgenuntersuchung des Herzens

Prinzip

Jeder Herzschlag wird durch einen elektrischen Impuls ausgelöst, der vom Sinusknoten des Herzens ausgeht und sich von hier aus über die gesamte Muskulatur des Herzens verteilt. Die Verteilung dieses elektrischen Impulses verläuft normalerweise harmonisch und gleichmäßig von den oben gelegenen Teilen des Herzens zu den unten gelegenen.

Wenn sich nach einem Herzinfarkt Narben im Herzmuskel befinden dann wird diese harmonische Leitung des elektrischen Impulses gestört, denn die Narbe funktioniert als elektrische Barriere. Der Impuls wird verlangsamt, aufgehalten und umgeleitet. Vor allem in den Grenzgebieten zwischen dem normalen und dem vernarbten Herzmuskel entstehen durch die elektrische Inhomogenität dieses Gewebes ,,kreisende Erregungsimpulse“.

Diese können Ursache für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen (,,Kammerflattern“, ,,Kammerflimmern“) sein und Patienten nach einem erlittenen Herzinfarkt bedrohen.

Um diese Bedrohung zu erkennen kann man versuchen, solche ,,kreisenden Erregungen“ zu finden und durch eine Behandlung mit Anti-Rhythmusstörungs-Medikamenten zu bekämpfen. Zur Suche nach solchen ,,kreisenden Erregungen“ dient die Suche nach Spätpotentialen. Es handelt sich dabei um winzig kleine elektrische Impulse (siehe neben stehende Abb.: Oben keine, unten deutliche Spätpotentiale (Pfeil)), die im Verlauf eines Herzschlages auftreten.

Um die winzigen Spätpotentiale zu finden muß man ein normales EKG viele hundertmal verstärken. Da durch diese Verstärkung auch Störimpulse, z.B. der Skelettmuskel, verstärkt werden und die Erkennung der Spätpotentiale verhindern muß man viele Dutzend Herzschläge aufzeichnen, elektronisch von den Störimpulsen ,,reinigen“ und filtern.

Wie wird die Untersuchung durchgeführt?

Ein ,,Spätpotential-EKG“ wird wie ein normales EKG angefertigt.

Während die Ableitung eines normalen EKG aber nur einige wenige Minuten dauert benötigt man für die Aufzeichnung der Spätpotentiale etwa 15 - 30 Minuten. Während dieser Zeit werden die elektrischen Impulse des Herzens von dem Spezial-EKG-Gerät gespeichert, gefiltert und verarbeitet. Am Ende der Untersuchung erhält der Arzt eine graphische Aufzeichnung des hochverstärkten EKG und kann die Spätpotentiale erkennen.

Wann wird der Test durchgeführt?

Der Test wird dann durchgeführt, wenn es darum geht, die Ursache von Ohnmachtszustandes abzuklären, vor allem, wenn man sich bei einem solchen Ohnmachtsanfall verletzt hat. Die Untersuchung wir heute nur noch sehr selten durchgeführt, weil ihre Aussagekraft nicht sehr groß ist.

Was merkt man und was kann passieren?

Die Aufzeichnung eines Spätpotential-EKG ist absolut schmerzfrei und frei von jedweden Risiken.

Ergebnisse

Sehen Sie in der linken abbildung eine unauffällige Untersuchung ohne Spätpotentiale. Der Kammerkomplex ist auch im hoch verstärkten EKG nicht verbreitert, nach dem Ende des QRS-Komplexes sind keine zusätzlichen elektrischen Aktivitäten mehr zu sehen.

In der rechten Abbildung hingegen sehen Sie das hochverstärkte EKG eines Patienten nach einem Vorderwandinfarkt. Nach dem eigentlichen QRS-Komplex erkennt man eine verspätete elektrische Aktivität (rot markiert). Dieser Patient hatte mehrere Wochen nach seinem Herzinfarkt bösartige ventrikuläre Rhythmusstörungen („ventrikuläre Tachykardie“), die durch elektrische „Instabilitäten“ im Randbereich der Infarktnarbe verursacht wurden. Diese elektrischen „Instabilitäten“ werden durch die Spätpotentiale angezeigt.